Personenkasten von Johanna Wand-Greve
In ihrem Vortrag berichtete sie sehr authentisch von ihren Erlebnissen im niederländischen Durchgangslager Westerbork. Nachdem ihre Eltern in den 1930er-Jahren vor der Verfolgung aus Kleve nach Arnheim geflohen waren, wurde die gesamte Familie nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande deportiert. Dem drohenden Weitertransport in ein Vernichtungslager entging die Familie mehrfach nur durch großes Glück.
Begleitet wurde sie von ihrem Freund Herrn Polak, den sie erst vor wenigen Monaten wiedergetroffen hatte und mit dem sie in Westerbork ebenfalls interniert gewesen war. Auf ergreifende und tief bewegende Weise schilderte Eva Weyl ihre persönlichen Erfahrungen mit dem nationalsozialistischen Terror in den Niederlanden. Zudem berichtete sie von ihrer außergewöhnlichen Freundschaft mit Anke Winter, der Enkelin des damaligen Lagerkommandanten Albert Gemmeker.
Getreu ihrem Leitsatz, den Nachgeborenen keine Schuld zuzuweisen, sie jedoch für die Zukunft in die Verantwortung zu nehmen, machte sie eindrücklich deutlich, wie wichtig Erinnerung und Verantwortung für kommende Generationen sind.
Bereits vor zehn Jahren war Eva Weyl zuletzt zu Gast an unserer Schule. Umso größer war die Freude über ihr erneutes Kommen. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich tief betroffen von Eva Weyls Lebensgeschichte und zugleich sehr beeindruckt von ihrer imponierenden Lebensfreude sowie ihrem offenen und ehrlichen Interesse am Austausch mit jungen Menschen.
Wir fühlen uns sehr geehrt, zu den Schulen zu gehören, die Eva Weyl als Zeitzeugin empfangen durften, und hoffen sehr, dass auch im kommenden Jahr ein weiterer Austausch möglich sein wird. Mit ihrem Vortrag trug Eva Weyl nachhaltig dazu bei, dass die Zahl der sogenannten „Zweitzeug*innen“ des Holocausts weiter gewachsen ist.


